Freitag, 17. Oktober 2014

Das erste Spiel: Freitag

Es ist Freitag und was wäre für meinen ersten Spielebericht wohl besser als diesen Tag zum Anlass zu nehmen, um über ein Spiel zu reden, das nicht nur Freitag heißt, sondern auch ausschließlich an Freitagen entwickelt wurde!?
Klingt verrückt? Ist es auch, aber so lief das eben bei Friedemann Friese und seinem Freitag-Projekt. Fünf Jahre lang hat er sich jeden Freitag für fünf oder fünfundzwanzig oder fünfzig Minuten oder auch für fünf Stunden an die Arbeit gemacht und Spiele entwickelt. Das hier vorgestellte Freitag ist das zweite in dieser Tradition und weist selbstverständlich die typischen Merkmale eines Friedemann Friese-Spiels auf: Es beginnt mit dem Buchstaben F und es ist grün. Soweit, so gut. Aber worum geht's eigentlich?


Immer diese Ruhestörer


Stellt euch vor, ihr fristet euer Dasein auf einer idyllischen Insel, fernab von nervigen Nachbarn, Fluzeuglärm, Einkaufsgedrängel - na, ihr wisst schon. Eines Tages taucht jedoch unvermittelt ein verwirrter Typ namens Robinson auf, der euch mitteilt, dass sein Schiff gekentert ist und er sich gerade noch so auf eure Insel retten konnte. Natürlich gehen bei euch gleich sämtliche Alarmlichter an - wie werdet ihr diesen Kerl möglichst schnell wieder los? Ihr fasst euch ein Herz und versucht, dem armen Irren ein wenig unter die Arme zu greifen. Das Überlebenstraining für Dummies beginnt und wenn Robinson es schließlich schafft, die beiden vorbeischippernden Piratenschiffe zu besiegen, habt ihr endlich wieder eure Ruhe... und das Spiel gewonnen!

Überleben ist alles

 
Ihr schlüpft also in die Rolle von Freitag und zeigt Robinson wie man die Insel erkundet, sich gegen wilde Tiere zur Wehr setzt und den örtlichen Kannibalen entkommt. 18 Robinsonkarten stellen am Anfang euren schiffbrüchigen Freund dar; ihr durchschnittlicher Angriffswert liegt bei sage und schreibe 0. Keine wirklich guten Voraussetzungen. Dafür besitzt Robinson aber einen ganzen Haufen palmenblattförmiger, hölzerner Lebenspunkte. Die ein oder andere Niederlage im Kampf gegen die Gefahren der Insel ist also durchaus erlaubt.
Ein Kampf läuft so ab, dass ihr zunächst zwei Gefahrenkarten aufdeckt und davon eine auswählt, gegen die ihr kämpfen wollt. Entsprechend der Angabe darauf könnt ihr nun eine bestimmte Anzahl von Karten kostenlos von eurem Robinsonstapel ziehen, um gegen die Gefahr anzutreten. Möchtet ihr weitere Karten für den Kampf nutzen, kostet euch das Lebenspunkte. Wenn ihr das Match gewinnt, wird die Gefahrenkarte zu einer Kampfkarte, die ihr im weiteren Spielverlauf verwenden könnt, um eure Chancen gegen etwaige Bedrohungen zu verbessern: Robinson hat Erfahrung gesammelt. Solltet ihr den Kampf verlieren, kostet euch das Lebenspunkte. Das klingt erstmal schlecht, allerdings ist die Abgabe von Palmenblättern am Kampfende die einzige Möglichkeit, schlechte Karten aus eurem Deck loszuwerden.  
Und schon sind wir beim Kern der Sache angelangt: Es gilt den richtigen Weg zwischen dem Sammeln von guten und dem Abwerfen von schlechten Karten zu finden, ohne dabei zu viele Lebenspunkte einzubüßen. Das mag am Anfang vielleicht noch recht leicht erscheinen, aber das liegt meistens daran, dass man sich noch in der leichten (grünen) Phase befindet. Ist der Gefahrenstapel nämlich einmal durchgespielt, folgen die gelbe und schließlich die rote Phase, in denen die Kämpfe gegen die Gefahren immer knackiger werden. Und am Ende gilt es auch noch zwei der zehn verfügbaren Piratenschiffe zu besiegen...

Die Macht hast nur du alleine


Dem ein oder anderen mag es beim Betrachten des Covers schon aufgefallen sein: Freitag ist ein 'Solo-Abenteuer'. Ihr seid schließlich auf einer einsamen Insel, da ist eben nur der Posten von Freitag im Angebot (okay, vielleicht mal abgesehen von den Kannibalen). Viele werden jetzt denken: Wie langweilig, wer setzt sich denn bitteschön alleine hin und spielt ein Kartenspiel!? Ich kann diesen Einwand durchaus nachvollziehen; natürlich macht es mehr Spaß gemeinsam mit anderen am Tisch zu sitzen und in fremde Welten abzutauchen. Gesellschaftsspiele tragen ihren Namen ja nicht umsonst. Nichtsdestotrotz gibt es aber auch immer wieder Momente, in denen vielleicht gerade kein Mitspieler zur Verfügung steht. Und für genau diese Situation ist Freitag ideal. Nachdem man erstmal eine Partie gespielt hat, sind die Regeln verinnerlicht und das Spiel ist ruckzuck aufgebaut, sodass man sich eine knappe halbe Stunde gepflegt der Optimierung seines Decks widmen kann. Auch auf Dauer wird das nicht langweilig, da zum einen jedes Spiel ein bisschen anders ist, je nachdem wann man welche Karten zieht und ob einem das Glück dabei hold ist, zum anderen aber auch vier verschiedene Schwierigkeitsgrade gespielt werden können, die einen teilweise ganz schön ins Schwitzen bringen. Und schließlich ist da noch der Drang, den eigenen Punkterekord immer wieder überbieten zu wollen.

Mein Fazit


Freitag ist ganz klar eines meiner Dauerbrenner-Lieblingsspiele. Das Material und der Inhalt sind wunderbar thematisch, die Illustrationen comicartig-witzig, aber absolut passend, und die Karten sind von sehr guter Qualität, sodass man auch nach einigen Dutzend Partien praktisch gar keine Abnutzungserscheinungen hat. Was die Spezialfähigkeiten mancher Karten betrifft, so muss man am Anfang vielleicht noch hier und da nachlesen, wie genau sie funktioneren (gerade in Wechselwirkung mit anderen Effekten), doch hilft die Anleitung dabei wirklich gut weiter, sodass man die Abläufe schnell verinnerlicht. Für 10-12€ kann man hier wenig falsch machen, im Gegenteil: Die Schachtel ist quadratisch, praktisch und gut überall hin mitzunehmen, man benötigt lediglich ein wenig Platz zum Spielen selbst. Dank der immer schwieriger werdenden Level, die wirklich nicht ohne sind, hat man lange seine Freude mit Freitag, sodass man es immer wieder gerne hervorholt, wenn man mal ein paar Minuten erübrigen kann.

In diesem Sinne:

Mögen die Spiele beginnen!



Freitag

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