Dienstag, 21. Oktober 2014

Das Kamisado-Schnupperspiel

In einem Spielwarengeschäft in meiner Nähe steht am Eingang immer ein kleiner Metallwagen, auf dem normalerweise Kataloge verschiedener Spielehersteller liegen oder auch Flyer für kommende Veranstaltungen im Umkreis. Diesmal fand ich jedoch neben dem üblichen Zettelwirrwarr (schließlich kann der Mensch sich dem Wühlen in wie auch immer gearteten Stapeln nicht verwehren) auch eine kleine Pappschachtel mit der verlockenden Aufschrift: 
Kamisado Schnupperspiel
So etwas muss ich mir natürlich nicht zweimal durchlesen - entschlossen packte ich das gute Stück ein. Zwar hatte ich schon von Kamisado gehört, zu einer näheren Auseinandersetzung damit war es jedoch bis jetzt nicht gekommen; abstrakten Spielen stehe ich tendenziell eher skeptisch gegenüber. Aber wie das eben so ist, bei einer Gratis-Probe sagt man nicht Nein. Neugierig, was mich wohl im Inneren des Päckchens erwarten würde, öffnete ich es und fand folgenden Inhalt vor:
Ein kleiner faltbarer Spielplan mit bunten Feldern sowie ein Stanztableau mit jeweils sechs weißen und sechs schwarzen Pappmarkern, auf denen asiatische Schriftzeichen in sechs Farben aufgedruckt waren.
Bei der nächstmöglichen Gelegenheit schnappte ich mir also zwecks Testrunde eine Freundin und los ging's. Sie nahm die weißen Marker, ich die schwarzen und wir nahmen zunächst unsere Ausgangspositionen ein: Ein Stein mit rotem Schriftzeichen auf ein rotes Feld, mit blau auf blau usw., sodass die vom Spieler aus erste Reihe komplett mit Steinen besetzt ist:
 
Ziel ist es, einen der eigenen Steine auf die gegnerische Grundlinie zu bewegen. Gezogen wird immer abwechselnd, wobei stets nur ein Stein nach vorne (d.h. geradeaus oder diagonal) versetzt werden darf. Über leere Felder kann hinweggezogen werden. Das Feld, auf dem man seinen Stein schließlich abstellt, muss aber auf jeden Fall leer sein - es gibt also kein 'Schlagen' wie man es z.B. vom Schach kennt. Klingt bis jetzt ja nicht übermäßig anspruchsvoll, aber der Clou ist folgender: Je nachdem welche Farbe das Feld hat, auf dem man seinen Spielstein abstellt, muss der Gegner mit dem Marker ziehen, der dieser Farbe entspricht. Da das bei unserer ersten Partie auch erst etwas verwirrend war, hier mal ein kleines Beispiel: Schwarz beginnt und zieht sein gelbes Plättchen geradeaus auf das grüne Feld. Jetzt muss der weiße Spieler mit seinem grünen Marker weitermachen. Zieht er diesen diagonal auf lila, so ist schwarz mit seinem lila Plätchen an der Reihe. Das geht dann eben so lange, bis einer der beiden die gegnerische Grundlinie erreicht hat.
Hier hat schwarz gewonnen...
...und hier weiß.
Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber abstrakten Spielen hatten wir großen Spaß an dem Spiel. Da man durch den eigenen Zug beeinflusst, mit welchem Plättchen der Gegner als nächstes weiterzieht, entstehen schnell Gedankengänge à la "Wenn ich will, dass du dorthin ziehst, muss ich zuerst dahin gehen. Damit ich da aber hinkomme, muss ich dich dazu bringen, mich mit grün ziehen zu lassen..." So etwas kann natürlich bei extremen Grüblern zu extrem langer Wartezeit führen, aber bei uns war das zum Glück nicht der Fall. Denn selbst wenn der Gegner noch am Zug ist, überlegt man schon, wie er wahrscheinlich gleich ziehen wird und wie man dann den eigenen Zug wieder bestmöglich umsetzt. Ein kleines Manko ist lediglich, dass man während dieser 'Denkabschnitte' die kommenden Züge manchmal so weit vorausdenkt, dass man vergisst, mit welcher Farbe man jetzt eigentlich ziehen muss. Vielleicht hilft es an dieser Stelle, wenn man sich das Plättchen, mit dem zuletzt gezogen wurde, markiert und etwas darauflegt oder so.

Alles in allem hat das Schnupperspiel auf jeden Fall seinen Zweck erfüllt, denn es hat neugierig auf das 'richtige' Kamisado gemacht. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass auch der kleine Bruder immer Mal wieder zum Einsatz kommt, denn die verschiedenen Strategien, die sich hier anbieten, kamen bei den paar Runden, die wir gespielt haben, natürlich nur ansatzweise zum Vorschein.


Wie haltet ihr denn von abstrakten Spielen? Hat jemand vielleicht sogar schonmal Kamisado gespielt? Oder sagt ihr, euch ist das zu viel Gegrübel?

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