Mittwoch, 26. November 2014

'Pen & Paper' - mal ganz anders

Was zeichnet normalerweise ein Pen&Paper-Spiel aus? Nun, man braucht natürlich zunächst Stift und Papier (logisch), meist kommt dann noch ein Würfel (oder auch mehrere) hinzu, vielleicht noch eine Landkarte (oder eben die ein oder andere Art von Orientierungshilfe) und ein Regelwerk darf selbstverständlich auch nicht fehlen.

Auch wir haben in letzter Zeit oft Pen&Paper-Spiele gespielt. Im Gegensatz zu jenen im herkömmlichen Sinn, dauert unsere Variante jedoch nicht die halbe oder auch ganze Nacht, nein, man ist nach fünf bis zehn Minuten mit einem Durchgang fertig (je nach Anzahl der Mitspieler). Und das Einzige, was man dafür benötigt, ist ein Stift und ein Blatt Papier für jeden Teilnehmer und ein wenig Fantasie.

Die Regeln der in unseren Runden zuerst aufgetauchten 'Urform' lauten folgendermaßen:
Jeder schreibt geheim ein Wort oder einen Satz oben auf sein Blatt, faltet dieses anschließend so, dass man das Geschriebene nicht mehr lesen kann und gibt es an seinen linken Nachbarn weiter. Man selbst erhält das Papier seines rechten Nachbarn. Nun wirft man einen Blick auf das, was der Vorgänger geschrieben hat und versucht es zeichnerisch umzusetzen. Wieder wird das Blatt gefaltet und weitergegeben. Jetzt darf man sich nur die Zeichnung seines Vorgängers ansehen und muss ein dazu passendes Wort bzw. einen Satz aufschreiben. Als nächstes wird wieder gezeichnet, dann geschrieben usw. So kann man das beliebig weit fortsetzen - am besten, bis eine Seite vollgeschrieben ist. Dann werden reihum die Zettel entfaltet, vorgelesen und herumgezeigt - ähnlich dem Stille-Post-Prinzip ist es erstaunlich, was aus dem ursprünglichen Gedanken geworden ist. Lachsalven sind in jedem Fall garantiert.

Wer es etwas anspruchsvoller möchte, der kann natürlich auch die Gedicht-Version nehmen. Dazu schreibt in der ersten Runde jeder den Titel seines Gedichts auf. Der Nachbar schaut sich den Titel an und schreibt dazu die (thematisch passende) erste Zeile. Der nächste überlegt sich nun eine Zeile, die nicht nur thematisch zur ersten passt, sondern sich auch noch auf diese reimt. Die dritte Zeile muss sich nicht auf die zweite reimen, sollte aber sinngemäß fortgeführt werden. Auch dabei können wundervolle lyrische Ergüsse entstehen! Beispiel gefällig?

Einsamkeit

Allein, verlassen, voller Trauer,
Stand Bodo hinter einer Mauer.
Er wartete sehr lange
Am Ende der immensen Schlange.
Und als er da so einsam stand,
Wusste er, was ihn mit der Welt verband.
Sie war rund und groß, genau wie er,
Das bemerkte er gleich, es gefiel ihm sehr!
Und als er so voller Glück weiterschaute,
Merkte er nicht, dass sich ein Gewitter zusammenbraute:
RUMPELPUMPEL! Was ging da ab?
Warum tanzte Pumpelrumpel auf dem Grab?
So auf und ab zu springen machte Spaß,
Außerdem trank er, so ganz ohne Maß
Und glaubte alles, was er in der Zeitung las,
Sodass er das eigene Denken vergaß.

Noch abstruser wird es freilich, wenn man gar nicht mehr weiß, was sein Vorgänger geschrieben hat - die Lachmuskeln werden dafür aber umso mehr strapaziert. Das geht beispielsweise in der Mann-trifft-Frau-Version: Zunächst schreibt jeder einen männlichen Namen auf. Nach dem Weitergeben kommt ein weiblicher Name dazu. Es folgt die Angabe wann sich die beiden begegnen und wo. Schließlich schreibt man auf, was er sagt, was sie sagt und was am Ende aus den beiden wird. Nur diesmal darf man sich eben nicht ansehen, was sein vorheriger Nachbar aufgeschrieben hat. Das kann dann unter Umständen so enden:

Olaf der Schneemann
und die Tochter eines Schweinepriesters
fanden sich in der Steinzeit
auf dem Scheiterhaufen wieder.
Da fragte Olaf sie: "Wer stört mich in meinem Schlummer?"
Woraufhin sie geistesgegenwärtig vorschlug: Wir könnten auch räudige Hunde aufsammeln und gesund pflegen!"
Und so machten sie sich auf die Suche nach dem Ring... 

Das gleiche Prinzip lässt sich auch in eine Annonce-Form bringen, wobei folgende Aspekte ohne Kenntnis darüber, was der Vorgänger geschrieben hat, niedergeschrieben werden müssen:

Ich suche/ biete [Gegenstand]
[Farbe]
[Größe]
[Eigenschaften]
[Preis]
[Wozu wird der Gegenstand benötigt?]

Meiner Erfahrung nach machen sämtliche hier erwähnten Versionen sehr viel Spaß und eignen sich prima als Absacker, der das Zwerchfell nochmal so richtig in Schwung bringt. Man sollte allerdings einen nicht zu kleinen Stapel Papier mitbringen (bei uns sind alte, zur Korrektur ausgedruckte Hausarbeiten sehr beliebt gewesen), damit man seiner unerschöpflichen Fantasie genug Raum lassen kann.

Verspielte Grüße,

Laura 

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