Dienstag, 23. Juni 2015

Vom 11-Stunden-Spielen-Marathon

Freitag, 13.50 Uhr. Es klingelt. Zehn Minuten zu früh - ich bin noch mit Spülen beschäftigt. Aber was soll's... Ich öffne die Tür für Angie und Stefan, die schwer bepackt mit Taschen voller Spiele hereinkommen. Im Eiltempo wird die letzte Schüssel abgetrocknet und los geht's mit Catan
Während wir sonst immer mit verdeckten Punktechips spielen und unsere Startsiedlungen nur mit Auge auf die allgemeine Rohstoffverteilung aufbauen, beginnen wir diesmal mit offenen Zahlen. Nicht, dass das die Situation viel einfacher gemacht hätte. Während Stefan gefühlt bei jedem Wurf einen Rohstoff erhält, geht Angie ihrer Lieblingsbeschäftigung nach und versucht die längste Handelsstraße zu bauen. Ich krebse am anderen Ende der Nahrungskette herum und bekomme einfach keine Rohstoffe zusammen. Mit nichts auf der Hand lässt sich eben auch schwer tauschen. Zum Glück gibt es Entwicklungskarten, die mir immerhin die größte Rittermacht sichern. Das Spiel endet nach etlichen Lehmengpässen mit einem epischen "Ich lege alle meine Karten ab, tausche sechs Holz gegen zwei Erz und ein Lehm und kaufe mir dafür eine Straße und eine Stadt" von Stefan, der damit vor Angie (8 Punkte) und mir (6 Punkte) gewinnt.
Es folgen drei Runden von Geister, Geister, Schatzsuchmeister, dem Kinderspiel des Jahres 2014, an dem ich ein paar Tage zuvor aufgrund des unschlagbar günstigen Preises nicht vorbeilaufen konnte. Donnerstag Abend hatte ich es schon mit Melanie ausprobiert. Wir verorteten die Figuren und Kartenmotive thematisch im Harry Potter-Universum und gewannen das Basis-Spiel im ersten Anlauf, scheiterten allerdings an der Fortgeschrittenen-Version. Diesmal jedoch will es uns auch nach drei Runden partout nicht gelingen, alle acht Juwelen aus dem Haus zu tragen, bevor das sechste Zimmer von einem Spuk befallen wird. Hmpf. Und das bei einem Kinderspiel. Wenigstens sieht es total knuffig aus.
Wir ordnen unser Knabberbüffet neu, um Platz für die Zug um Zug Jubläumsedition zu schaffen. Zum Glück ist der Tisch so groß, sonst hätten wir ein echtes Problem. Untermalt von täuschend echten Zug-Sounds à la 'Tschu tschuuuu!' bauen wir unsere Strecken durch Amerika. An der Ostküste in und um New York kommt es zu kleinen Auseinandersetzungen - hier ist alles ganz schön eng. Das Ende kommt plötzlich, da keiner merkt, dass Stefan nur noch einen Zug hat. Außer er selbst, aber er hält es nicht für nötig, das zu erwähnen. So kommt es, dass ich in der letzten Runde noch frohen Mutes ein Ticket aufnehme, das ich gar nicht mehr erfüllen kann. Trotzdem gehört der Sieg mit 129 Punkten souverän mir. Angie läuft ein wenig hinter mir ins Ziel ein, Stefan dagegen ist abgeschlagen hinten. Tja, Strafe muss sein. Mittlerweile ist auch Melli eingetroffen, die das letzte Spieldrittel mit Kennermiene beobachtet und kommentiert. Ganz Zug um Zug-Profi eben.
Mit unserem vierten Mitspieler ist auch Schatten über Camelot im Haus eingetroffen und wird begierig augepackt und aufgebaut. Mit Hilfe der anderen nehme ich Lanzelots Rüstung und Excalibur in meinen Besitz auf. Sogar die Gral-Queste schaffen wir beinahe - aber uns gehen kurz vor Schluss die Gralkarten aus. Der Sieg gehört uns sicher, aber knapp und wird von einer flammenden "Ich bin kein Verräter"-Rede von Angie begleitet (Ich schwöre!). Leider ist es uns anderen zu riskant, ihr den letzten Zug zu überlassen, da sie uns damit entweder retten oder in den Untergang stürzen kann. Wir gewinnen trotzdem (nur eben etwas später) und erfahren am Ende, dass überhaupt kein Verräter in unserer Runde ist. Hauptsache man hat mal alle verdächtigt...
Nun schieben wir den kulinarischen Teil des Abends ein - selbstgemachte Pizza - und während sie im Ofen vor sich hinbackt, quetschen wir noch schnell Vampir Mau Mau dazwischen. Melli führt das Feld in den ersten beiden Runden an, wird dann allerdings von Stefan eingeholt, der sich am Ende den Sieg mit 52 Punkten sichern kann. Und dann endlich: Essenszeit!
Mit einem halben Blech Pizza im Bauch geht man alles etwas gemächlicher an, schließlich könnte man platzen, weil man so vollgefuttert ist. Allerdings wartet der Höhepunkt des Abends noch auf uns: Talisman mit den Erweiterungen Drachen und Blutmond. Allein der Aufbau nimmt schon einige Zeit in Anspruch, aber das ist nichts gegen das Spiel selbst... Unsere traute Runde besteht aus einer Drachenreiterin (Melli) - die optisch coolste Figur, allein wegen ihrer Größe -, einer Drachenpriesterin (Angie), einem Drachenjäger (Stefan) und einem Zwerg (mir). Na, fällt jemandem was auf!? Unverschämterweise zieht Stefan gleich am Anfang einen Talisman. Es wird der einzige im gesamten Spiel bleiben. Dank meiner 'Süsses oder Saures'-Karte kann ich ihm den aber abnehmen. Und dann nimmt er ihn mir wieder ab. Und ich ihn ihm. Ganze zwei Stunden lang trollen wir uns auf der äußeren Ebene herum und versuchen Stärke-, Talent- und Lebenspunkte zu sammeln, um uns auf den gefährlichen Weg nach innen machen zu können. Natürlich ist das eine Aufgabe für den mutigen Zwerg. Während drei von uns mit ihren Charakteren sehr zufrieden sind, startet Angie ein Selbstmordkommando nach dem anderen. Die Drachenpriesterin will sie irgendwann einfach nur loswerden. Mein Zwerg erbarmt sich und schlägt sie K.O. Die Wahrsagerin, die sie als nächstes bekommt, will sie eigentlich gar nicht haben. Diese findet recht schnell beim Brückenwächter ihren Tod. Mit dem Troll kommt sie gut zurecht - bis zu dem Augenblick, in dem sie vergisst, dass sich der Troll in einen Werwolf verwandelt hat, und auf ein Feld mit der Karte 'Wenn du ein Werwolf bist, stirbst du.' kommt. Der darauf folgende Elf ist auch nicht das Gelbe vom Ei und als auch er sich zu den anderen auf die Ahnengalerie gesellt, steigt sie gar nicht mehr ins Spiel ein. Mein Zwerg kommt bis auf das vorletzte Feld und scheitert dort an drei Drachenjungen. Seinen Talisman lässt er dort liegen. Auch ich steige nicht mehr ein, wir gehen mittlerweile alle auf dem Zahnfleisch. Die Drachenreiterin unternimmt einen mutigen Versuch, den Talisman aufzusammeln, hat jedoch akute Probleme in der inneren Ebene. Und so ist es dann wieder der Drachenjäger, der sich den Talisman schnappt und sich die Krone der Herrschaft sichert. Nach ca. 4 Stunden, es ist jetzt fast 1 Uhr, gewinnt Stefan gegen Drachenkönig Grilipus mit 27 zu 11 Punkten. 
Was für ein Abend!

Kommentare:

  1. Grandioser Post! Einfach nur grandios! :D
    Und ein phänomenaler Abend, hihi :)

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  2. Das hört sich echt spannend an. Auf so einen Abend hätte ich auch mal Lust :D

    Schade nur, dass es hier in der Gegend niemanden gibt, der gerne spielt ...

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    1. Schön, dass die Begeisterung ankommt. Es war wirklich ein großer Spaß!
      Aus welcher Ecke kommst du denn?
      Gruß
      Laura

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    2. So aus dem Grenzgebiet zwischen Niedersachsen und NRW. Das ist Weserbergland/Solling, je nach dem, auf welcher Seite man aus dem Fenster schaut ^^
      Wir haben immer mit unseren ehemaligen Nachbarn, einem Rentnerehepaar, Spieleabende veranstaltet. War auch nett :)
      Aber ich denke, mit Gleichaltrigen wäre es noch cooler ^-^

      Ich wünsche euch auf jeden Fall noch einige schöne Spieleabende :D
      Und freue mich auf den nächsten Bericht ^^

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  3. Wow was für ein Marathon :D! Und ja da muss ich mich den anderen Kommentaren anschließen. Hört sich wirklich spannend an! ;)

    Liebe Grüße

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    1. Freut mich, dass es dir gefällt!
      Frohe Weihnachten wünsche ich :)

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